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Schaden & Instandhaltung

Wasserschaden im Mehrfamilienhaus: Die ersten 48 Stunden

Ein Wasserschaden ist der Schadensfall, der aus einem beherrschbaren Problem innerhalb weniger Tage einen Sanierungsfall macht. Der Unterschied entsteht fast immer in den ersten Stunden — und dort meistens durch Warten.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 31.08.2026Lesezeit 8 Min.

Die Meldung kommt selten sauber: ein Fleck an der Decke, Wasser im Keller, ein Mieter, der etwas gehört hat. Zwischen Meldung und Reaktion vergehen oft Stunden, in denen sich Wasser in Estrich, Dämmung und Wandaufbau verteilt. Ab dort ist es kein Trocknungsfall mehr, sondern ein Rückbaufall.

Stunde eins: Wasser stoppen und Sicherheit herstellen

  • Absperren: Zuerst der betroffene Strang, im Zweifel der Hauptanschluss. Wer die Absperrpunkte nicht kennt, verliert genau hier die entscheidende Zeit.
  • Strom: Bei Wasser in der Nähe von Verteilern, Steckdosen oder Leuchten den betroffenen Stromkreis abschalten. Diese Beurteilung gehört im Zweifel an eine Elektrofachkraft.
  • Stehendes Wasser aufnehmen: Je weniger Wasser liegen bleibt, desto weniger zieht in Bauteile.
  • Betroffene informieren: Mieter der Wohnung, Mieter darunter, Eigentümer, Verwaltung.

Der teuerste Fehler ist die Reihenfolge: erst die Versicherung anrufen, dann handeln. Richtig ist umgekehrt. Die Schadenminderungspflicht verlangt sofortiges Handeln — Sofortmaßnahmen zur Begrenzung des Schadens sind erwartet und werden regelmäßig übernommen. Was nicht ohne Abstimmung passieren sollte, ist die endgültige Instandsetzung.

Stunde zwei: dokumentieren, bevor aufgeräumt wird

Alles, was jetzt nicht festgehalten wird, ist später Auslegungssache. Sinnvoll ist eine feste Abfolge: Übersichtsaufnahmen jedes betroffenen Raums, Detailaufnahmen der Schadensstelle, Aufnahme der vermuteten Austrittsstelle, Fotos beschädigter Gegenstände mit erkennbarem Zustand. Dazu ein schriftlicher Vermerk mit Datum, Uhrzeit der Entdeckung, Uhrzeit der Absperrung und den Namen der Beteiligten.

Defekte Bauteile — ein geplatzter Schlauch, eine gerissene Verbindung — werden nicht entsorgt. Sie sind das Beweisstück für die Ursache und damit für die Frage, welche Versicherung zuständig ist.

Ursache klären: davon hängt alles Weitere ab

Die Zuordnung folgt der Ursache, nicht dem Ort des Schadens. Leitungswasser aus einer Rohrleitung des Gebäudes ist typischerweise ein Fall der Gebäudeversicherung. Beschädigtes Eigentum des Mieters fällt in dessen Hausratversicherung. Schäden, die ein Mieter oder Dritter verursacht hat, führen zur Haftpflichtfrage. Rückstau, Grundwasser oder Starkregen sind wieder eine eigene Kategorie und regelmäßig nur mit zusätzlicher Elementardeckung versichert.

Praktisch heißt das: Die Ursache wird vor der Sanierung festgestellt und dokumentiert. Wird sie beim Rückbau zerstört, geht das zulasten dessen, der den Anspruch stellen möchte.

Tag eins bis zwei: Trocknung entscheidet über die Kosten

Trocknung ist keine Nacharbeit, sondern die eigentliche Schadensbegrenzung. Je länger Feuchtigkeit im Aufbau bleibt, desto wahrscheinlicher wird mikrobieller Befall — und damit der Wechsel von Trocknung zu Rückbau. Eine Messung der Feuchtigkeit in Estrich und Wand gehört an den Anfang, nicht ans Ende.

Bei Trocknungsgeräten in bewohnten Räumen sind zwei Punkte zu regeln: Lärm und Stromkosten. Der Stromverbrauch wird über einen Zwischenzähler erfasst und dem Mieter erstattet; ohne Zähler entsteht genau dort der nächste Streit.

Mietrechtliche Seite nicht vergessen

Ein Wasserschaden mit eingeschränkter Nutzbarkeit begründet regelmäßig eine Mietminderung — unabhängig davon, wer den Schaden verursacht hat. Wichtig sind eine schriftliche Mängelanzeige des Mieters, ein Vermerk über den Zeitraum der Einschränkung und eine Bestätigung, ab wann die Wohnung wieder uneingeschränkt nutzbar ist. Ist eine Wohnung unbewohnbar, kann eine Ersatzunterbringung erforderlich werden; ob sie erstattet wird, richtet sich nach dem Versicherungsvertrag.

Nach dem Fall: der Ordner, der beim nächsten Mal Zeit spart

Jeder Wasserschaden hinterlässt eine Lehre über das Objekt. Wo liegen die Absperrpunkte, welcher Strang versorgt welche Wohnung, welcher Handwerker war innerhalb von zwei Stunden vor Ort, wie lange dauerte die Trocknung. Diese Punkte in die Objektakte zu übernehmen, verkürzt den nächsten Fall spürbar.

Wie die Abwicklung mit dem Versicherer strukturiert abläuft, ergänzt der Beitrag zu Versicherungsschäden digital abwickeln.

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Häufige Fragen

Erst die Versicherung fragen oder sofort handeln?
Sofort handeln. Maßnahmen zur Begrenzung des Schadens — absperren, Wasser aufnehmen, Trocknung veranlassen — sind erwartet und Teil der Schadenminderungspflicht. Was ohne Abstimmung vermieden werden sollte, ist die endgültige Instandsetzung, bevor Ursache und Umfang dokumentiert sind.
Welche Versicherung ist zuständig?
Das richtet sich nach der Ursache, nicht nach dem Ort des Schadens. Leitungswasser aus dem Gebäude betrifft typischerweise die Gebäudeversicherung, beschädigtes Eigentum des Mieters die Hausratversicherung, verursachte Schäden Dritter die Haftpflicht. Rückstau und Starkregen brauchen in der Regel eine zusätzliche Elementardeckung. Die konkrete Einordnung ergibt sich aus dem jeweiligen Vertrag.
Wer zahlt den Strom für die Trocknungsgeräte?
Der Verbrauch wird über einen Zwischenzähler erfasst und dem Mieter erstattet, weil er die Kosten für den Vermieter beziehungsweise dessen Versicherung trägt. Ohne Zwischenzähler lässt sich der Anteil später kaum belegen — das Gerät gehört deshalb von Anfang an an einen eigenen Zähler.