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Regeltechnik

Messtechnik im Growraum: Sensoren platzieren, kalibrieren und protokollieren

Eine Regelung ist immer nur so gut wie ihr schlechtester Sensor — und der sitzt in den meisten Räumen an der bequemsten statt an der richtigen Stelle.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 02.09.2026Lesezeit 8 Min.

In einem geregelten Raum entscheidet nicht die Regelung über die Stabilität, sondern die Messung. Jeder Eingriff — Lüfter, Entfeuchter, Heizung, Dosierung — basiert auf einem Wert, der an einer bestimmten Stelle von einem bestimmten Gerät erfasst wurde. Ist dieser Wert falsch, arbeitet die Regelung zuverlässig in die falsche Richtung, und zwar ohne dass irgendwo ein Fehler auftaucht.

Der Ort ist wichtiger als das Gerät

Der häufigste Fehler ist die Platzierung. Sensoren hängen dort, wo Kabel und Befestigung bequem sind: an der Wand, in der Ecke, direkt neben dem Steuergerät oder unmittelbar unter der Leuchte. Jede dieser Positionen misst etwas anderes als die Bedingungen am Bestand.

  • Höhe: Auf Höhe des Bestands, nicht darüber oder am Boden.
  • Strahlung: Abstand zur Lampe, sonst wird Strahlungswärme statt Lufttemperatur gemessen.
  • Wandnähe: Abstand zu Außenwänden, deren Temperatur deutlich abweichen kann.
  • Luftstrom: Nicht direkt im Zuluftstrahl und nicht im Totwinkel ohne Bewegung.
  • Feuchte: Kein Tropfwasser, keine Sprühnebel, keine direkte Benetzung.

Ein einfacher Test: Den Sensor versuchsweise an eine zweite Position im Raum hängen und die Werte vergleichen. Weichen sie deutlich ab, misst man keine Raumbedingung, sondern eine lokale Besonderheit.

Ein Messpunkt reicht selten

Räume sind nicht homogen. Zwischen Zuluft und Abluft, zwischen Randbereich und Mitte sowie zwischen unterer und oberer Ebene entstehen Unterschiede, die je nach Aufbau erheblich sein können. Wer nur einen Messpunkt hat, regelt den ganzen Raum nach den Bedingungen an genau dieser Stelle.

Praktikabel ist ein zweiter Sensor an der ungünstigsten Stelle — dort, wo es am wärmsten, feuchtesten oder am wenigsten durchströmt ist. Die Differenz zwischen beiden Punkten ist die eigentlich interessante Zahl, denn sie beschreibt die Qualität der Luftführung. Wird sie größer, stimmt etwas mit der Zirkulation nicht, lange bevor eine Störung sichtbar wird.

Ein fehlender Messwert ist kein guter Messwert. Fällt ein Sensor aus und liefert nichts, darf die Regelung nicht so weiterlaufen, als sei alles in Ordnung. Ein unbekannter Zustand gehört als eigener Fall behandelt — mit sicherer Grundeinstellung und einer Meldung, nicht mit dem letzten bekannten Wert.

Kalibrierung ist Pflicht, nicht Kür

Sonden in der Nährlösung driften. pH-Sonden verändern ihr Ansprechverhalten durch Belegung und Alterung der Messspitze deutlich schneller als EC-Sonden, weshalb sie in kürzeren Abständen kontrolliert werden. Entscheidend ist nicht ein starres Intervall, sondern eine regelmäßige Kontrollmessung mit frischer Prüflösung: Weicht sie ab, wird kalibriert; bleibt sie stabil, kann das Intervall gestreckt werden.

Wichtig ist außerdem die Reihenfolge. Nach jeder Reinigung wird neu kalibriert, weil mechanisches Abwischen und Reinigungsmittel das Verhalten der Messspitze verändern. Und jede Kalibrierung wird mit Datum notiert — ohne diese Notiz weiß nach einigen Wochen niemand mehr, ob eine Abweichung neu ist oder seit Monaten besteht.

Was aufgezeichnet werden sollte

Momentanwerte auf einem Display beantworten die Frage, wie es gerade ist. Sie beantworten nicht, was passiert ist. Für die Fehlersuche und für Verbesserungen braucht es eine Aufzeichnung über die Zeit — mit einem Intervall, das schnell genug für die Dynamik des Raums ist, typischerweise wenige Minuten.

Sinnvoll sind Temperatur und relative Luftfeuchte an beiden Messpunkten, die daraus abgeleitete Größe für das Dampfdruckdefizit, die Temperatur der Nährlösung sowie EC und pH. Ergänzt um die Schaltzustände der Geräte lässt sich später nachvollziehen, ob ein Ausschlag eine Ursache im Raum hatte oder ein Regeleingriff war. Wie Temperatur und Feuchte zusammen zu betrachten sind, steht in VPD verstehen.

Zwei Geräte sind besser als ein teures

Ein einzelner Sensor liefert einen Wert, aber keine Aussage darüber, ob dieser stimmt. Erst ein zweites, unabhängiges Gerät macht Abweichungen sichtbar. Deshalb ist ein einfaches Vergleichsmessgerät, das gelegentlich neben den fest installierten Sensor gehalten wird, eine der günstigsten Absicherungen überhaupt. Weichen beide dauerhaft voneinander ab, ist mindestens eines falsch — und die Regelung arbeitet seit unbekannter Zeit auf einer falschen Grundlage. Für die Nährlösung gilt dasselbe: Eine Handmessung als Gegenprobe zur fest verbauten Sonde deckt Drift auf, bevor sie in Dosierentscheidungen einfließt.

Mittelwerte und Ausreißer richtig behandeln

Rohwerte schwanken. Wird jeder einzelne Messwert direkt zur Regelung genutzt, schaltet die Anlage unruhig und die Geräte verschleißen schneller. Eine kurze Mittelwertbildung über wenige Messungen glättet das, ohne die Reaktionsfähigkeit zu verlieren.

Ausreißer sollten dabei erkannt, aber nicht stillschweigend entfernt werden. Ein einzelner unplausibler Wert ist ein Störimpuls, mehrere hintereinander sind ein Hinweis auf ein Problem am Sensor oder an der Verkabelung. Wer beides gleich behandelt, verliert genau das Signal, das auf den nächsten Ausfall hindeutet.

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Häufige Fragen

Wo gehört der Klimasensor hin?
Auf Höhe des Bestands und in der freien Luftströmung, mit Abstand zu Wänden, direkter Beleuchtung und dem Luftstrom von Zu- oder Abluft. Ein Sensor direkt unter der Lampe misst Strahlungswärme, ein Sensor an der Wand misst die Wandtemperatur — beides führt zu Regeleingriffen, die am eigentlichen Ziel vorbeigehen.
Wie oft müssen Sonden kalibriert werden?
Das hängt von Sondentyp, Belastung und Herstellerangabe ab. pH-Sonden driften in der Regel deutlich schneller als EC-Sonden und werden entsprechend häufiger geprüft. Verlässlicher als ein festes Intervall ist eine regelmäßige Kontrollmessung: Weicht sie ab, wird kalibriert.
Reicht ein Sensor für den ganzen Raum?
Nur in sehr kleinen, gut durchmischten Räumen. Sobald mehrere Reihen, Ebenen oder Leuchten vorhanden sind, entstehen Zonen mit unterschiedlichen Bedingungen. Ein zweiter Messpunkt an der ungünstigsten Stelle zeigt die tatsächliche Spannbreite und ist die günstigste Erweiterung überhaupt.