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EPK für Musiker: Das Electronic Press Kit, das Türen öffnet

Playlist-Kuratoren, Blogger und Veranstalter treffen ihre Vorauswahl in unter einer Minute. Was sie in dieser Minute sehen, entscheidet das EPK — die eine Seite, auf der dein Projekt professionell aussieht, klingt und sofort verwendbar ist.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 2026-07-24Lesezeit 6 Min.

Das Electronic Press Kit ist die digitale Pressemappe eines Artists: ein zentraler Ort, an dem Musik, Story, Bilder und Kontakt gebündelt liegen. Es ersetzt die E-Mail mit fünf Anhängen und drei toten Links — und es ist häufig der Unterschied zwischen „wird angehört" und „wird gelöscht". Wer regelmäßig released, pitcht oder Auftritte anfragt, braucht kein aufwendiges Design, sondern ein EPK, das drei Dinge kann: schnell laden, schnell überzeugen, schnell kopierbar sein.

Was ins EPK gehört — und was nicht

  • Bio in drei Längen: Einzeiler, Kurzabsatz (50–80 Wörter), Langversion (max. 250 Wörter). Konkret statt blumig: Genre, Sound-Referenzen, Alleinstellung, letzter Release.
  • Musik zum Sofort-Hören: Zwei bis vier beste Tracks als eingebettete Player plus Links zu Spotify, Apple Music und YouTube. Der stärkste Track zuerst — niemand hört Track fünf, wenn Track eins nicht zieht.
  • Pressefotos: Drei bis fünf aktuelle Bilder in hoher Auflösung, quer und hoch, mit Credit und als Download. Journalisten nehmen, was verfügbar ist — liefere es druckfähig.
  • Zahlen mit Substanz: Monatliche Hörer, Playlist-Platzierungen, Presse-Zitate, relevante Support-Slots. Keine Zahlen aufblasen — Kuratoren können nachschauen.
  • Kontakt und Links: Eine E-Mail-Adresse, die gelesen wird, plus Social-Profile. Für Booking zusätzlich Technical Rider und Verfügbarkeiten.

Nicht hinein gehören: die komplette Diskografie, private Lebensläufe, unkomprimierte WAV-Dateien im Anhang und alles, was älter als zwei Jahre und nicht mehr repräsentativ ist. Ein EPK ist eine Auswahl, kein Archiv.

Format: Landingpage schlägt PDF

Das klassische PDF-EPK hat zwei Probleme: Es veraltet ab dem Tag des Exports, und es kann keine Musik abspielen. Eine schlanke Webseite — eigene Domain, ein Onepager oder ein Presskit-Dienst — löst beides: Der Link bleibt gleich, der Inhalt bleibt aktuell, die Tracks laufen direkt im Browser, und über simple Analytics siehst du sogar, ob dein Pitch geöffnet wurde. Die Regel für den Aufbau: alles Wichtige in der ersten Bildschirmhöhe (Name, Genre-Einzeiler, bester Track, Kontakt), Details darunter. Wer zusätzlich ein PDF für Veranstalter braucht, generiert es aus der Seite — nicht umgekehrt.

Ein EPK, drei Zielgruppen

Kurator, Journalist und Veranstalter lesen dasselbe EPK mit unterschiedlichen Augen. Der Playlist-Kurator will in zehn Sekunden wissen, ob der Sound in seine Liste passt — für ihn zählen Genre-Tags, Referenz-Artists und der sofort abspielbare Top-Track. Der Journalist sucht eine Geschichte: Warum dieses Projekt, warum jetzt? Ein AI-Native-Workflow, ein ungewöhnlicher Werdegang oder ein klares Konzept hinter einem Album sind Aufhänger, die aus einer Release-Notiz einen Artikel machen. Der Veranstalter prüft Risiko: Zieht der Act Publikum, ist er zuverlässig, was braucht er technisch? Statt drei EPKs zu pflegen, reicht eine Seite mit klaren Abschnitten — und ein Anschreiben, das den für den Empfänger relevanten Teil in zwei Sätzen nach vorn holt.

Die EPK-Grundregel: Niemand schuldet dir Aufmerksamkeit. Jedes Element der Seite muss die Frage des Empfängers beantworten — nicht das Ego des Absenders bedienen.

Pflege: das EPK als lebendes Dokument

Ein veraltetes EPK schadet mehr als gar keins — nichts wirkt unprofessioneller als „aktueller Release" von vor achtzehn Monaten. Der praktikable Rhythmus: Nach jedem Release Tracks, Zahlen und Bio-Schlusssatz aktualisieren; zweimal im Jahr Fotos und Zitate prüfen; vor jeder Pitch-Welle einmal alle Links klicken. Wer seine Releases ohnehin als Serie plant, hängt die EPK-Pflege einfach an die Release-Checkliste an — fünfzehn Minuten pro Drop halten die Seite dauerhaft frisch. Und: Der EPK-Link gehört überall hin, wo Entscheider vorbeikommen — in die Instagram-Bio, die E-Mail-Signatur, das Spotify-Profil und jede Pitch-Nachricht.

Kurz: Das EPK ist kein Marketing-Nice-to-have, sondern die Infrastruktur hinter jedem Pitch. Eine Seite, drei Bio-Längen, dein bester Track ganz oben — und jede Anfrage beginnt ab sofort mit einem professionellen ersten Eindruck.

Release-System statt Einzelaktionen

Löwen Records verzahnt Produktion, EPK, Pitching und Community zu einem Prozess — vom fertigen Track bis zur wachsenden Fanbase.

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Häufige Fragen

Braucht ein unbekannter Artist überhaupt schon ein EPK?
Gerade dann. Kuratoren, Blogs und Veranstalter entscheiden in Sekunden — ein sauberes EPK signalisiert Professionalität, bevor der erste Ton gehört wurde. Ohne nennbare Zahlen trägt die Story: Genre, Alleinstellung, bisherige Releases.
EPK als PDF oder als eigene Webseite?
Am stärksten ist eine schlanke Webseite oder Landingpage: immer aktuell, streambar, per Link teilbar und messbar. Ein PDF als Anhang veraltet schnell und landet im Spam-Filter. Wichtig ist ein einziger, kurzer Link, der überall funktioniert.
Wie lang sollte die Artist-Bio im EPK sein?
Drei Varianten decken alles ab: ein Einzeiler für Playlists und Programmhefte, ein Kurzabsatz mit 50 bis 80 Wörtern und eine Langversion mit maximal 250 Wörtern. Journalisten kopieren gern — je besser die Vorlage, desto genauer die Berichterstattung.