Sobald ein Unternehmen mehr als eine Niederlassung hat, stellt sich dieselbe Frage: eine Seite für alle oder eine Seite je Standort? Die Antwort lautet fast immer „je Standort" — aber nur, wenn diese Seiten mehr enthalten als eine ausgetauschte Ortsangabe.
Warum eine Sammelseite nicht reicht
Suchanfragen sind lokal. Wer nach einer Leistung „in Siegen" sucht, bekommt Ergebnisse, die diesen Ort inhaltlich abdecken. Eine einzelne Seite, die fünf Städte im Fließtext nennt, ist für jede einzelne davon schwächer als eine dedizierte Seite. Hinzu kommt die Nutzerseite: Wer eine Adresse, Öffnungszeiten und einen Ansprechpartner sucht, will nicht durch eine Aufklappliste scrollen.
Was auf eine echte Standortseite gehört
- Vollständige NAP-Daten: Name, Adresse, Telefonnummer — identisch formatiert wie im Unternehmensprofil und in Verzeichnissen.
- Öffnungszeiten inklusive abweichender Regelungen, gepflegt und aktuell.
- Ansprechpartner mit Foto: Der wirksamste Vertrauensbaustein einer Standortseite — und der am häufigsten fehlende.
- Anfahrt und Parken: konkret formuliert, nicht nur als eingebettete Karte. „Parkhaus X, drei Minuten Fußweg" beantwortet eine echte Frage.
- Lokale Referenzen und Projekte, die tatsächlich an diesem Standort entstanden sind.
- Eigene Kontaktmöglichkeit: Formular oder Telefonnummer, die im richtigen Team landet — nicht in einer Zentrale, die weiterleitet.
- Strukturierte Daten vom Typ LocalBusiness je Seite, mit Adresse, Geokoordinaten und Öffnungszeiten.
Der Test für jede Standortseite: Würde jemand, der bereits weiß, dass er zu dieser Firma will, hier etwas erfahren, das auf keiner anderen Seite steht? Wenn nein, ist es keine Standortseite, sondern eine Textkopie.
URL-Struktur und interne Verlinkung
Bewährt hat sich eine flache, sprechende Struktur nach dem Muster /standort/siegen/ beziehungsweise bei mehreren Leistungen /leistung/standort/. Wichtig ist Konsistenz: eine Systematik, nicht drei parallele. Von der Startseite führt ein klarer Einstieg auf eine Standortübersicht, von dort auf die Einzelseiten; jede Standortseite verlinkt zurück auf die Übersicht und auf die passenden Leistungsseiten. Wie diese Wege wirken, beschreibt der Beitrag zur internen Verlinkung.
Vermeiden Sie automatisch erzeugte Seiten für jeden Ort im Umkreis. Solche Massenseiten ohne eigene Substanz gelten als minderwertige Inhalte und können die Bewertung der gesamten Domain belasten.
Die Verbindung zum Unternehmensprofil
Jeder Standort mit physischer Präsenz braucht ein eigenes Google-Unternehmensprofil, und jedes dieser Profile sollte auf die zugehörige Standortseite verlinken — nicht auf die Startseite. Diese Zuordnung ist einer der stärksten lokalen Signale überhaupt. Umgekehrt gehören Bewertungen des jeweiligen Standorts auf die Seite dieses Standorts, nicht in eine globale Sammlung. Mehr dazu im Beitrag zu Local SEO und Unternehmensprofil.
Die vier häufigsten Fehler
- Textkopie mit Ortstausch: erzeugt konkurrierende Seiten ohne eigenständigen Wert.
- Zentrale Telefonnummer überall: Nutzer landen im falschen Team, und lokale Signale verwässern.
- Veraltete Öffnungszeiten: der schnellste Weg zu einer schlechten Bewertung.
- Kein Pflegeprozess: Standortseiten altern schneller als jede andere Seite, weil Personal und Zeiten sich ändern. Ohne feste Zuständigkeit stimmen sie nach einem Jahr nicht mehr.
Ein Vorgehen, das skaliert
Bauen Sie eine Vorlage mit festen Bausteinen — Hero mit Ort, Team, Leistungen, Referenzen, Anfahrt, FAQ, Kontakt —, aber füllen Sie jeden Baustein individuell. Der Rahmen bleibt gleich, der Inhalt nicht. Für den Start reichen pro Standort ein Foto des Teams, drei lokale Referenzen und fünf standortspezifische Fragen. Das ist an einem Nachmittag je Standort machbar und unterscheidet die Seite dauerhaft von einer Kopie.
Und legen Sie eine Zuständigkeit fest: Wer vor Ort arbeitet, meldet Änderungen an Zeiten, Team und Erreichbarkeit. Standortseiten sind kein Projekt, sondern ein Bestandteil des laufenden Betriebs.
Messen, was der Standort bringt
Standortseiten lassen sich sauber auswerten, wenn Conversions je Seite getrennt erfasst werden: Anrufe über die standortspezifische Nummer, abgesendete Formulare der jeweiligen Seite, Klicks auf die Routenplanung. Diese Zahlen zeigen schnell, welcher Standort online tatsächlich Anfragen erzeugt und welcher nur existiert. Häufig zeigt sich dabei ein Muster: Der umsatzstärkste Standort ist nicht der mit der besten Seite, sondern der mit dem gepflegtesten Unternehmensprofil und den meisten aktuellen Bewertungen. Wer die Auswertung quartalsweise ansieht, weiß, wo eine zusätzliche Referenz oder ein neues Teamfoto den größten Unterschied macht — statt alle Seiten gleichmäßig zu pflegen.