Der klassische Relaunch-Schaden sieht so aus: Die neue Seite geht live, alle freuen sich über das Design, und vier Wochen später fragt jemand, warum keine Anfragen mehr kommen. Die Antwort steht in der Search Console: Rankings weg, Traffic halbiert. Das Tückische daran — fast jeder dieser Verluste wäre mit Vorbereitung vermeidbar gewesen.
Warum Relaunches Traffic kosten
Suchmaschinen ranken keine Websites, sondern einzelne URLs. Jede rankende Seite hat über Jahre Signale gesammelt: Backlinks, Nutzerdaten, thematische Einordnung. Ändert der Relaunch die URL-Struktur, ohne die alten Adressen weiterzuleiten, laufen diese Signale ins Leere. Dazu kommen zwei weitere Klassiker: Inhalte, die im neuen Konzept „aufgeräumt“ und gelöscht werden, obwohl sie rankten, und ein neues Design, das schwerer lädt als das alte und damit Nutzererfahrung und Bewertung verschlechtert.
Content-Inventur vor dem Relaunch
Bevor irgendetwas gebaut wird, braucht es eine vollständige Bestandsaufnahme: alle URLs der alten Seite, angereichert mit Daten aus Search Console und Analytics. Welche Seiten ranken, welche haben Backlinks, welche bringen Anfragen? Diese Inventur entscheidet, was übernommen, was zusammengelegt und was gelöscht werden darf. Eine Seite mit Rankings zu löschen, weil sie „nicht mehr ins Konzept passt“, ist die teuerste Design-Entscheidung eines Relaunchs.
Die 301-Redirect-Map
Das Herzstück jedes sauberen Relaunchs ist eine Tabelle: jede alte URL, daneben ihr neues Ziel. Daraus werden permanente 301-Weiterleitungen, die Rankings und Linkkraft auf die neuen Adressen übertragen.
- Jede alte URL mit Rankings, Backlinks oder Traffic bekommt ein Redirect-Ziel
- Weiterleitung auf die inhaltlich passendste Seite, nicht pauschal auf die Startseite
- Redirect-Ketten vermeiden: alt führt direkt auf neu, nicht über Zwischenstationen
- Bewusst entfernte Inhalte kontrolliert mit 404 oder 410 auslaufen lassen
Suchmaschinen ranken URLs, nicht Websites. Wer Adressen ändert, ohne weiterzuleiten, wirft die gesammelten Signale von Jahren weg — für ein neues Design, das davon nichts zurückholt.
Staging und Crawl-Vergleich
Vor dem Go-Live wird die neue Seite auf einer Staging-Umgebung mit einem Crawler geprüft und mit dem Crawl der alten Seite verglichen: Fehlen Seiten? Stimmen Titles und Meta-Descriptions? Sind interne Links intakt, ist die Staging-Umgebung selbst von der Indexierung ausgeschlossen? Genauso wichtig ist der Performance-Vergleich — die neue Seite muss mindestens so schnell laden wie die alte, sonst startet sie mit einem Handicap.
Monitoring nach dem Go-Live
Mit dem Go-Live beginnt die Beobachtungsphase. Die neue XML-Sitemap wird in der Search Console eingereicht, dann heißt es in den ersten Wochen täglich prüfen: Crawling-Fehler und 404-Berichte, Indexierungsstatus, Klicks und Impressionen der wichtigsten Seiten. Leichte Schwankungen sind normal, weil die Suchmaschine die neue Struktur bewertet. Anhaltende Verluste auf einzelnen Seiten sind ein Alarmsignal — meist eine vergessene Weiterleitung, die sich sofort nachrüsten lässt, solange man sie findet.
Die Checkliste kompakt
Vor dem Relaunch: vollständige URL-Inventur mit Ranking- und Backlink-Daten, Entscheidung über jede Seite, 301-Redirect-Map erstellen. Vor dem Go-Live: Staging crawlen, mit der alten Seite vergleichen, Ladezeit messen. Nach dem Go-Live: Sitemap einreichen, Search Console täglich prüfen, 404-Fehler sofort mit Redirects schließen. Ein Relaunch, der so vorbereitet ist, verliert keine Rankings — er baut auf ihnen auf.