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Order-Rejects: Warum Börsen Orders ablehnen und was der Bot dann tut

Ein Bot, der nur den Erfolgsfall kennt, funktioniert genau so lange, bis die Börse zum ersten Mal Nein sagt. Und sie sagt Nein — wegen Rundung, wegen Mindestgröße, wegen Margin, wegen zu vieler Anfragen.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 31.08.2026Lesezeit 7 Min.

Ablehnungen sind kein Zeichen für einen Fehler in der Strategie, sondern normaler Betrieb an jeder Börse. Der Unterschied zwischen einem stabilen und einem fragilen Bot liegt darin, ob er den Ablehnungsgrund unterscheiden kann — oder ob er pauschal wiederholt.

Die häufigsten Ablehnungsgründe

  • Tick-Size: Der Preis passt nicht ins erlaubte Preisraster. Eine Order mit zu vielen Nachkommastellen wird abgelehnt, obwohl inhaltlich alles stimmt.
  • Lot-Size / Step-Size: Dasselbe für die Menge. Jeder Markt hat eine kleinste handelbare Einheit und eine Schrittweite darüber.
  • Minimum Notional: Preis mal Menge unterschreitet den Mindestgegenwert der Börse. Betrifft vor allem kleine Konten und Teilausstiege.
  • Unzureichende Margin oder Guthaben: Die Berechnung im Bot weicht von der der Börse ab, meist weil Gebühren oder bereits reservierte Beträge nicht berücksichtigt wurden.
  • Preisbänder: Viele Börsen lehnen Limit-Orders ab, die zu weit vom aktuellen Marktpreis entfernt liegen.
  • Post-Only verletzt: Eine Order, die sofort ausgeführt würde, obwohl sie nur in das Orderbuch gelegt werden sollte.
  • Reduce-Only ohne Position: Ein Schließungsauftrag für eine Position, die es nicht mehr gibt.
  • Rate-Limit: Zu viele Anfragen in zu kurzer Zeit — technisch eine Ablehnung, inhaltlich ein Eigenverschulden.

Die gefährlichste Reaktion auf eine Ablehnung ist die sofortige, unveränderte Wiederholung. Bei einem Rate-Limit verschärft sie das Problem bis zur temporären Sperre des Schlüssels. Bei einem Margin-Fehler erzeugt sie eine Endlosschleife, die im Log untergeht — und dabei den einen Ausstieg blockiert, auf den es ankommt.

Vermeidbar: die Filter der Börse vorher anwenden

Jede ernstzunehmende Börsen-API liefert die Handelsregeln je Markt als Datensatz: Tick-Size, Step-Size, Mindestmenge, Mindestgegenwert, erlaubte Ordertypen. Ein Bot sollte diese Regeln beim Start laden, zwischenspeichern und regelmäßig auffrischen — sie ändern sich, meist ohne Ankündigung im Tagesgeschäft.

Beim Rundungsschritt gilt eine einfache Doktrin: Immer in die sichere Richtung runden. Beim Einstieg abrunden, damit die Order nicht am Guthaben scheitert. Beim Ausstieg lieber die vollständige Position schließen als einen Rest zurücklassen, der später unter der Mindestgröße liegt und dann gar nicht mehr verkauft werden kann.

Dust: der Rest, den man nicht mehr los wird

Der klassische Betriebsfehler entsteht bei Teilausstiegen. Nach mehreren Teilverkäufen bleibt ein Restbestand, dessen Gegenwert unter dem Minimum Notional liegt. Die Börse lehnt jeden weiteren Verkauf ab, der Bot meldet einen Fehler und der Zustand bleibt offen.

Die Lösung liegt in der Planung: Vor jedem Teilausstieg prüfen, ob der verbleibende Rest noch handelbar wäre. Wenn nicht, wird entweder die gesamte Position geschlossen oder der Teilausstieg angepasst. Das ist eine Regel im Positionsmanagement, keine Fehlerbehandlung.

Reaktion nach Fehlerklasse

Ablehnungen gehören in drei Klassen mit klar unterschiedlichem Verhalten:

  • Dauerhaft ungültig (Tick-Size, Lot-Size, unbekanntes Symbol): Kein Wiederholen. Die Order wird korrigiert oder verworfen, der Fall wird protokolliert.
  • Temporär (Rate-Limit, Überlast, Zeitüberschreitung): Wiederholen mit wachsendem Abstand und einer Obergrenze — und mit derselben Client-Order-ID, damit keine zweite Position entsteht.
  • Zustandsabhängig (Margin, Reduce-Only ohne Position): Vor dem nächsten Versuch den Zustand von der Börse neu abfragen. Der Bot hat hier eine falsche Annahme, nicht die Börse ein Problem.

Sichtbarkeit statt stiller Fehler

Jede Ablehnung gehört ins Protokoll — mit Zeitstempel, Markt, gewünschter Order, Ablehnungsgrund im Klartext und der Reaktion des Bots. Eine wachsende Zahl von Ablehnungen ist ein Frühindikator: Sie zeigt Regeländerungen der Börse, ein zu knappes Konto oder eine Strategie, die zu klein stückelt.

Sinnvoll ist zusätzlich eine Schwelle: mehrere Ablehnungen derselben Klasse in kurzer Zeit lösen einen Alarm aus und pausieren die betroffene Strategie. Wie ein sofortiger Not-Aus organisiert wird, beschreibt der Beitrag zum Kill-Switch.

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Häufige Fragen

Was ist der häufigste Grund für abgelehnte Orders?
Rundungsfehler bei Preis und Menge. Jeder Markt hat ein Preisraster (Tick-Size) und eine Mengenschrittweite (Step-Size) sowie einen Mindestgegenwert. Wer diese Regeln nicht vor dem Senden anwendet, produziert Ablehnungen, obwohl die Handelsentscheidung selbst korrekt ist.
Soll ein Bot abgelehnte Orders automatisch wiederholen?
Nur bei temporären Fehlern wie Überlast oder Zeitüberschreitung, dann mit wachsendem Abstand, Obergrenze und gleichbleibender Client-Order-ID. Bei dauerhaft ungültigen Orders ist Wiederholen sinnlos, bei zustandsabhängigen Fehlern muss der Bot zuerst den echten Kontostand und die offenen Positionen neu abfragen.
Wie vermeidet man nicht mehr handelbare Restbestände?
Vor jedem Teilausstieg prüfen, ob der verbleibende Rest den Mindestgegenwert der Börse noch überschreitet. Ist das nicht der Fall, wird die Position vollständig geschlossen oder der Teilausstieg entsprechend angepasst. Das gehört ins Positionsmanagement, nicht in die Fehlerbehandlung.