Dieser Beitrag dient ausschließlich der Bildung und ist keine Anlageberatung, keine Handelsempfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Handel ist mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden.
Backtests rechnen oft mit idealen Preisen. Die Realität ist rauer. Jede Order kostet etwas, das im Test leicht übersehen wird — und gerade bei Strategien mit vielen Trades summieren sich diese Kosten zu einem entscheidenden Faktor.
Der Spread
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Wer kauft, zahlt etwas mehr; wer verkauft, bekommt etwas weniger. Diese Differenz ist eine Gebühr, die man bei jedem Ein- und Ausstieg zahlt — unabhängig davon, ob der Trade gewinnt oder verliert. Bei engen Märkten ist der Spread klein, bei illiquiden kann er erheblich sein.
Eine Strategie, die viele kleine Gewinne sucht, kämpft am härtesten gegen Spread und Slippage — weil die Kosten pro Trade ihren Gewinn pro Trade auffressen können.
Slippage
- Die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis
- Entsteht durch Marktbewegung in der Zeit zwischen Signal und Ausführung
- Größer bei schnellen Märkten, großen Orders und geringer Liquidität
Slippage ist besonders tückisch, weil sie in ruhigen Tests kaum auftritt, aber genau in den volatilen Momenten zuschlägt, in denen ein Bot am aktivsten ist.
Warum das den Unterschied macht
Eine Strategie mag im Backtest einen kleinen Vorteil pro Trade zeigen. Sind Spread, Slippage und Gebühren größer als dieser Vorteil, ist die Strategie real ein Verlustgeschäft — obwohl die Kurve auf dem Papier nach oben zeigt. Deshalb gehören realistische Kostenannahmen in jeden Test.
Kosten ernst nehmen heißt Strategien ernst prüfen
Wer Automation versteht, rechnet die unsichtbaren Kosten von Anfang an mit. Erst eine Strategie, die nach Abzug von Spread, Slippage und Gebühren noch trägt, hat überhaupt eine Chance im Echtbetrieb. Alles andere ist eine schöne Kurve ohne Substanz.