Eine fehlerhafte Tablette ist ein Signal, kein Pech. Die Maschine zeigt über das Produkt, wo etwas nicht stimmt. Drei Fehlerbilder dominieren die Praxis.
Deckeln (Capping)
Beim Deckeln löst sich die Oberseite der Tablette kappenförmig ab. Ursache ist meist eingeschlossene Luft, die beim Entlasten entweicht, oder zu sprödes Material. Abhilfe: Pressgeschwindigkeit reduzieren, Vorpressung nutzen, Verweilzeit erhöhen oder die Rezeptur über Binder und Feuchte anpassen. Auch verschlissene Stempelkanten können Deckeln begünstigen.
Kleben (Sticking/Picking)
Klebt Material an den Stempeln, entstehen matte Stellen oder ausgerissene Prägungen. Häufige Gründe sind zu hohe Restfeuchte, zu wenig Schmiermittel in der Mischung oder beschädigte, aufgeraute Stempelflächen.
- Schmiermittelanteil und -verteilung prüfen
- Restfeuchte der Mischung kontrollieren
- Stempel auf Beschädigung und Verschleiß sichten und polieren
Die meisten Tablettierfehler entstehen in der Mischung, werden aber an der Maschine sichtbar. Wer nur die Maschine justiert, behandelt das Symptom.
Riefen und Gewichtsschwankung
Riefen am Tablettenrand deuten auf Verschleiß oder Verschmutzung der Matrize hin. Schwankt das Gewicht, liegt es oft an schlechtem Fließverhalten der Mischung oder an einer ungleichmäßigen Füllung. Hier helfen Fließregulierung, Kontrolle des Füllschuhs und das Vermessen der Werkzeuge.
Systematisch statt raten
Die saubere Vorgehensweise: Fehlerbild benennen, mögliche Ursachen in Rezeptur und Maschine getrennt prüfen, eine Variable nach der anderen ändern und das Ergebnis dokumentieren. Wer drei Dinge gleichzeitig verstellt, lernt nichts. Wer einzeln vorgeht, findet die Ursache — und kann sie beim nächsten Mal vermeiden.