B2B-Beschaffung

Tablettenpressen-Durchsatz richtig berechnen

Wie viele Tabletten pro Stunde schafft eine Maschine wirklich? Wer Durchsatz nur über die Drehzahl schätzt, verkalkuliert sich. So berechnen Sie die Ausbringung sauber.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 2026-06-27Lesezeit 6 Min.

Vor jeder Maschinenanschaffung steht dieselbe Frage: Reicht die Leistung für mein Volumen? Der Fehler dabei ist fast immer derselbe — man schaut auf die plakative Nennleistung im Datenblatt und nimmt sie für bare Münze. Wer den Durchsatz sauber durchrechnet, trifft eine bessere Beschaffungsentscheidung und vermeidet, eine zu kleine oder zu große Maschine zu kaufen.

Die Grundformel

Der theoretische Durchsatz eines Rundläufers ergibt sich aus drei Faktoren: der Anzahl der Stempel (Stationen) im Pressrad, der Turmdrehzahl und der Umrechnung von Minuten auf Stunden. Die Formel lautet:

  • Theoretischer Durchsatz = Stempelzahl × Turmdrehzahl (U/min) × 60
  • Bei einem Doppelrundläufer kommt der Faktor × 2 hinzu, weil pro Umdrehung an zwei Pressstationen verpresst wird

Ein Beispiel macht es greifbar: Eine Maschine mit 27 Stempeln, die mit 40 Umdrehungen pro Minute läuft, schafft rechnerisch 27 × 40 × 60 = 64.800 Tabletten pro Stunde. Wäre es ein Doppelrundläufer mit derselben Stempelzahl und Drehzahl, läge der theoretische Wert bei 129.600 Tabletten pro Stunde. Das ist die Zahl, die im Prospekt steht — und genau hier beginnt der Denkfehler vieler Einkäufer.

Theoretisch ist nicht real

Diese 64.800 Tabletten sind ein Laborwert unter Idealbedingungen: Maschine läuft, Material fließt, nichts steht still. Im echten Schichtbetrieb sieht die Rechnung anders aus. Hier kommt die Gesamtanlageneffektivität (OEE) ins Spiel — der Anteil der theoretischen Leistung, der nach Abzug aller Verluste tatsächlich übrig bleibt. Folgende Faktoren drücken die Verfügbarkeit:

  • Rüsten und Werkzeugwechsel zwischen Chargen und Formaten
  • Reinigung, besonders im Mehrproduktbetrieb mit Reinigungsvalidierung
  • Anlaufausschuss, bis Tablettengewicht und Härte stabil eingestellt sind
  • Störungen, Stillstände und Nachjustierung während der Produktion

In der Praxis liegt der reale Output je nach Produkt und Betrieb oft bei 60 bis 80 Prozent der theoretischen Leistung. Aus den 64.800 Tabletten werden so realistisch 40.000 bis 52.000 pro Stunde. Wer mit dem Laborwert kalkuliert, plant zu knapp.

Nennleistung ist Laborwert, nicht Tagesleistung. Rechnen Sie immer mit der realen Verfügbarkeit, sonst kauft sich Ihr Datenblatt eine Lücke in den Lieferplan.

Was die Drehzahl begrenzt

Man kann die Turmdrehzahl nicht beliebig hochdrehen, um mehr Durchsatz zu erzwingen. Mit steigender Drehzahl sinkt die Verweilzeit des Pulvers unter Druck — und genau diese Zeit braucht das Material, um sich zu verfestigen. Bei zu hoher Geschwindigkeit bleibt zu wenig Zeit zum Entlüften des Pulvers; eingeschlossene Luft führt zum gefürchteten Deckeln, bei dem die Tablettenkappe abplatzt. Jedes Produkt hat eine maximale Drehzahl, bei der die Qualität noch stimmt. Darüber steigt der Ausschuss schneller, als der nominelle Durchsatz wächst.

Exzenter gegen Rundläufer

Bei der Exzenterpresse greift die Formel nicht: Sie hat nur eine Station und arbeitet mit Hubzahlen statt Turmdrehzahl. Typisch sind grob 1.000 bis 8.000 Tabletten pro Stunde — sie ist für Entwicklung, Muster und Kleinserien gedacht, nicht für hohen Durchsatz. Sobald planbar fünf- bis sechsstellige Stückzahlen pro Charge gefragt sind, führt am Rundläufer kein Weg vorbei, weil nur er über viele Stationen den nötigen Output liefert.

Die Maschine zur Charge wählen

Die größte Maschine ist nicht automatisch die beste Wahl. Entscheidend ist, dass die Anlage Ihr realistisches Volumen mit moderater Drehzahl und stabiler Qualität schafft — nicht am Limit. Wer dauerhaft am Maximum fährt, produziert mehr Ausschuss und verschleißt Werkzeug schneller. Planen Sie deshalb so, dass die geforderte Stückzahl bei etwa 70 bis 80 Prozent der theoretischen Leistung erreicht wird. Beziehen Sie außerdem Stempelzahl und Werkzeug zum Zielformat in die Rechnung ein, denn Format und Stationszahl bestimmen mit, wie viele Tabletten pro Umdrehung überhaupt entstehen.

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Häufige Fragen

Wie berechne ich die theoretische Ausbringung einer Tablettenpresse?
Stempelzahl mal Turmdrehzahl in Umdrehungen pro Minute mal 60 ergibt die Tabletten pro Stunde. Bei Doppelrundläufern verdoppelt sich der Wert, weil pro Umdrehung an zwei Pressstationen verpresst wird.
Warum liegt der reale Durchsatz unter der Nennleistung?
Rüstzeiten, Reinigung, Anlaufausschuss und Störungen senken die Verfügbarkeit. Realistisch sind je nach Produkt 60 bis 80 Prozent der theoretischen Leistung, gemessen über die Gesamtanlageneffektivität.