Qualität & Prozess

IPC und PAT: Inline-Qualitätskontrolle an der Tablettenpresse

Wer Qualität erst im Labor prüft, prüft zu spät. In-Process-Control und Process Analytical Technology verlagern die Kontrolle direkt an die Tablettenpresse, wo Abweichungen entstehen und korrigiert werden können, bevor eine ganze Charge verloren ist.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 2026-07-02Lesezeit 6 Min.

Die Qualität einer Tablette entsteht nicht im Prüflabor, sondern im Presswerkzeug. In-Process-Control (IPC) und Process Analytical Technology (PAT) sind die Werkzeuge, mit denen Hersteller diese Qualität während der laufenden Produktion messen und steuern, statt sie hinterher zu bewerten.

Was IPC an der Presse leistet

In-Process-Control bezeichnet die Prüfungen, die parallel zur Produktion laufen. An modernen Rundläufern ist ein Teil davon automatisiert, ein Teil erfolgt als Stichprobe. Kernparameter sind Gewicht, Härte, Dicke, Durchmesser und Zerfall.

  • Presskraft je Stempel, gemessen über Kraftaufnehmer in Echtzeit
  • Tablettengewicht über die direkte Kopplung von Presskraft und Füllmenge
  • Härte und Dicke über automatische Prüfgeräte im Nebenstrom
  • Ausschleusung einzelner Tabletten außerhalb der Toleranz

Presskraft als Leitgröße

Die Presskraft ist der zentrale Indikator, weil sie eng mit dem Tablettengewicht zusammenhängt. Bleibt die Füllmenge konstant, bleibt die Presskraft konstant. Weicht sie ab, regelt die Steuerung die Fülltiefe nach oder schleust Tabletten aus. So wird Gewichtskonstanz nicht stichprobenartig, sondern für jede einzelne Tablette gesichert.

Presskraftüberwachung ersetzt keine Freigabeprüfung, verhindert aber, dass eine ganze Charge außerhalb der Spezifikation läuft, bevor jemand nachmisst.

Was PAT ergänzt

PAT geht über die klassische mechanische Messung hinaus. Über spektroskopische Verfahren wie NIR lassen sich Wirkstoffgehalt und Gleichförmigkeit inline erfassen, ohne die Tablette zu zerstören. Der Ansatz stammt aus der FDA-Initiative zu Quality by Design: Qualität wird in den Prozess eingebaut, nicht hineingeprüft. Für Hersteller bedeutet das weniger Laborrückstau und schnellere Freigaben.

Nutzen für die Beschaffung

Wer eine Tablettenpresse beschafft, sollte IPC-Fähigkeit nicht als Zusatzoption abtun. Integrierte Kraftmessung, Schnittstellen für Prüfgeräte und eine dokumentierte Datenaufzeichnung sind Voraussetzung für GMP-konforme Produktion und erleichtern die spätere Qualifizierung. Nachrüstung ist teurer als der Kauf mit passender Ausstattung.

Datenintegrität nicht vergessen

Alle inline erfassten Werte unterliegen den Anforderungen an Datenintegrität. Messreihen müssen lückenlos, manipulationssicher und nachvollziehbar gespeichert werden. Eine Presse, die misst, aber die Daten nicht revisionssicher ablegt, erfüllt die regulatorischen Erwartungen nur halb.

IPC und PAT verwandeln die Tablettenpresse von einer reinen Produktionsmaschine in ein datengetriebenes Qualitätssystem. Für Hersteller, die Ausschuss senken und Freigaben beschleunigen wollen, ist das keine Kür, sondern der Standard, an dem sich Beschaffung und Betrieb heute messen lassen.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen IPC und PAT?
IPC prüft mechanische Parameter wie Gewicht und Härte während der Produktion. PAT erfasst zusätzlich chemische Merkmale wie Wirkstoffgehalt inline, etwa über NIR-Spektroskopie.
Ist Presskraftüberwachung bei jeder Presse verfügbar?
Bei modernen Rundläufern gehört sie zum Standard, bei einfachen Exzenterpressen nicht immer. Bei der Beschaffung sollte die IPC-Fähigkeit ausdrücklich geprüft werden.