Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Was Arbeitnehmer und Arbeitgeber wissen müssen

Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten nicht. Die betriebliche Altersvorsorge ist einer der wenigen Wege, mit Steuer- und Sozialabgabenvorteil fürs Alter zu sparen — und für Arbeitgeber ein starkes Argument im Wettbewerb um Fachkräfte.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 2026-06-21Lesezeit 3 Min.

Die betriebliche Altersvorsorge, kurz bAV, ist im Grunde ein Spar-Mechanismus über den Arbeitgeber. Ein Teil des Bruttogehalts fließt direkt in einen Vorsorgevertrag, bevor Steuern und Sozialabgaben greifen. Dadurch kostet der Aufbau einer Zusatzrente netto weniger, als es auf dem Papier aussieht.

Wie die Entgeltumwandlung funktioniert

Bei der klassischen Entgeltumwandlung verzichtet der Arbeitnehmer auf einen Teil seines Bruttolohns. Dieser Betrag geht steuer- und meist sozialabgabenfrei in den Vertrag. Aus 100 Euro Sparbeitrag werden so oft nur rund 50 bis 60 Euro weniger netto auf dem Konto — der Rest kommt aus ersparten Steuern und Abgaben.

Der Haken: In der Auszahlungsphase sind die Renten zu versteuern, und gesetzlich Versicherte zahlen darauf Krankenkassenbeiträge. Ob sich die bAV lohnt, hängt deshalb vom Einzelfall ab — vom Steuersatz heute, von der erwarteten Rente und vom Arbeitgeberzuschuss.

Die fünf Durchführungswege

  • Direktversicherung — der häufigste Weg, einfach und übertragbar
  • Pensionskasse — ähnlich, oft branchengebunden
  • Pensionsfonds — mit höherem Kapitalmarktanteil
  • Unterstützungskasse — vor allem für höhere Beiträge und Führungskräfte
  • Direktzusage — der Arbeitgeber zahlt die Rente später direkt

Für die meisten Arbeitnehmer ist die Direktversicherung der Standard. Sie lässt sich beim Jobwechsel in der Regel mitnehmen.

Seit 2022 ist der Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent für neue und alte Entgeltumwandlungen Pflicht, soweit der Arbeitgeber Sozialabgaben spart.

Der Arbeitgeberzuschuss ist entscheidend

Weil der Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung selbst Sozialabgaben spart, muss er davon mindestens 15 Prozent als Zuschuss weitergeben. Viele gute Arbeitgeber geben deutlich mehr — bis zu vollen Beiträgen. Genau dieser Zuschuss macht aus einem mittelmäßigen Sparmodell oft ein attraktives. Vor jeder Entscheidung lohnt der Blick: Wie hoch ist der Zuschuss wirklich?

Für Arbeitgeber ein Bindungsinstrument

Im Wettbewerb um Mitarbeiter ist eine gut gemachte bAV ein konkreter Vorteil. Sie kostet planbar, ist steuerlich begünstigt und signalisiert Wertschätzung über das reine Gehalt hinaus. Wichtig ist eine saubere Einrichtung, damit Haftungsrisiken vermieden werden — etwa bei der Auswahl des Anbieters und der Aufklärung der Belegschaft.

Worauf Sie vor dem Abschluss achten sollten

Prüfen Sie die Kostenstruktur des Vertrags, die Höhe des Arbeitgeberzuschusses und die Flexibilität bei einem Jobwechsel. Eine bAV ist eine langfristige Entscheidung — sie sollte zu Ihrer Gesamtsituation passen, nicht zum Standardangebot von der Stange.

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Häufige Fragen

Lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge immer?
Nicht pauschal. Sie lohnt sich besonders bei einem hohen Arbeitgeberzuschuss und einem hohen heutigen Steuersatz. In der Auszahlungsphase fallen Steuern und für gesetzlich Versicherte Krankenkassenbeiträge an. Eine individuelle Berechnung ist sinnvoll.
Was passiert mit der bAV bei einem Jobwechsel?
Eine Direktversicherung lässt sich in der Regel mitnehmen oder beitragsfrei stellen. Die bereits aufgebauten Anwartschaften bleiben erhalten. Die genauen Möglichkeiten hängen vom Durchführungsweg und Vertrag ab.