Steuern

AfA linear oder degressiv: Wie Anschaffungen steuerlich verteilt werden

Wer eine teure Maschine kauft, setzt sie nicht sofort komplett ab. Die AfA verteilt die Kosten über Jahre — und die gewählte Methode beeinflusst den Cashflow.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 2026-07-01Lesezeit 7 Min.

Wer im Unternehmen etwas Größeres anschafft, eine Maschine, einen Firmenwagen, eine teure IT-Ausstattung, darf die Kosten steuerlich nicht sofort in voller Höhe abziehen. Stattdessen werden sie über die Nutzungsdauer verteilt. Dieses Verteilen heißt Absetzung für Abnutzung, kurz AfA. Wie man verteilt, linear oder degressiv, beeinflusst, in welchen Jahren die Steuerlast sinkt — und damit den Cashflow.

Warum überhaupt abgeschrieben wird

Ein Wirtschaftsgut, das mehrere Jahre genutzt wird, verliert über diese Zeit an Wert. Steuerlich soll der Aufwand dort anfallen, wo der Nutzen entsteht: verteilt über die Jahre der Nutzung. Deshalb wandert nicht der volle Kaufpreis in ein Jahr, sondern jährlich ein Anteil als Betriebsausgabe in die Gewinnermittlung.

Lineare AfA: gleichmäßig über die Jahre

Die lineare Abschreibung verteilt die Anschaffungskosten in gleichen Jahresbeträgen über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer. Kostet eine Maschine mit zehn Jahren Nutzungsdauer 50.000 Euro, sind es jedes Jahr 5.000 Euro. Diese Methode ist einfach, planbar und für die meisten Anlagegüter der Standard.

  • Gleiche Jahresbeträge über die gesamte Nutzungsdauer
  • Einfach zu planen und nachzuvollziehen
  • Nutzungsdauer richtet sich nach den amtlichen AfA-Tabellen

Degressive AfA: am Anfang mehr

Die degressive Abschreibung zieht in den ersten Jahren höhere Beträge ab und wird über die Zeit kleiner, weil sie einen festen Prozentsatz auf den jeweiligen Restwert anwendet. Der Vorteil: Die Steuerlast sinkt früh stärker, was Liquidität schont, wenn eine Investition frisch gestemmt wurde. Ob und in welcher Höhe die degressive AfA zulässig ist, hängt vom Anschaffungszeitpunkt und der jeweils geltenden gesetzlichen Regelung ab.

Die degressive AfA verschiebt Steuerentlastung nach vorne. Das ist kein Steuergeschenk, sondern ein Zinsvorteil: Liquidität heute ist mehr wert als dieselbe Summe in einigen Jahren.

Welche Methode wann sinnvoll ist

Wer nach einer großen Investition früh entlastet werden will und degressiv abschreiben darf, profitiert von der Verschiebung nach vorne. Wer gleichmäßige, planbare Werte bevorzugt oder in den ersten Jahren ohnehin wenig Gewinn hat, fährt mit der linearen AfA oft besser. Ein Wechsel von degressiv zu linear ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, umgekehrt nicht.

Sonderfälle kennen

Neben den beiden Grundmethoden gibt es Sonderregeln: geringwertige Wirtschaftsgüter dürfen sofort abgeschrieben werden, für bestimmte Investitionen existieren Sonderabschreibungen. Welche Kombination steuerlich am günstigsten ist, hängt vom Einzelfall und der aktuellen Gesetzeslage ab. Eine saubere Anlagenbuchhaltung, die jedes Wirtschaftsgut mit Anschaffungsdatum, Kosten und Methode erfasst, ist dafür die Grundlage.

Abschreibung als Planungsinstrument nutzen

Die AfA ist mehr als eine Pflichtübung für den Jahresabschluss. Wer weiß, wie sich Investitionen über die Jahre steuerlich auswirken, kann Anschaffungen bewusst timen und die Steuerlast planbarer machen. Eine größere Investition am Jahresende, eine gezielt gewählte Abschreibungsmethode oder die Kombination mit Sonderabschreibungen kann den Unterschied machen, ob Liquidität heute oder erst in einigen Jahren frei wird.

Dafür braucht es keine komplizierten Tricks, sondern einen klaren Überblick über das Anlagevermögen und die laufenden Abschreibungen. Wer diese Zahlen jederzeit im Blick hat, trifft Investitionsentscheidungen nicht mehr aus dem Bauch, sondern mit Blick auf ihren tatsächlichen Effekt auf Steuer und Cashflow.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen linearer und degressiver AfA?
Linear verteilt die Kosten in gleichen Jahresbeträgen über die Nutzungsdauer. Degressiv schreibt anfangs mehr ab und wird über die Jahre kleiner, weil ein fester Prozentsatz auf den Restwert angewendet wird.
Kann ich die AfA-Methode später wechseln?
Ein Wechsel von der degressiven zur linearen Abschreibung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, der umgekehrte Weg nicht. Ob degressive AfA zulässig ist, hängt vom Anschaffungszeitpunkt ab.