Auslastung

Sommerloch überbrücken: Umsatz in der Ferienzeit sichern

Wenn Stammgäste im Urlaub sind und die Innenstadt leert, bricht bei vielen Restaurants der Umsatz weg. Das Sommerloch ist aber planbar — wer es steuert statt aussitzt, hält den Cashflow stabil.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 2026-07-17Lesezeit 6 Min.

Jeden Sommer dieselbe Kurve: Ab Ferienbeginn fehlen Büro-Lunch, Stammgäste und Laufkundschaft. Wer nichts tut, verliert vier bis sechs Wochen Marge. Wer vorbereitet ist, verschiebt das Geschäft nur — auf Terrasse, Touristen und Anlässe, die im Sommer besser ziehen.

1. Terrasse zur Hauptbühne machen

Im Sommer entscheidet der Aussenbereich über den Umsatz. Jeder zusätzliche Aussenplatz, der rechtlich möglich ist, zahlt sich in der Hochsaison mehrfach aus. Sorgen Sie für Schatten, Wasser und eine reduzierte, schnelle Sommerkarte — Gäste bei Hitze wollen leichte Gerichte und kalte Getränke, keine schwere Winterküche.

2. Getränkeumsatz aktiv steuern

Im Sommer liegt die Marge im Glas. Aperitivo-Angebote am frühen Abend, alkoholfreie Signature-Drinks und eine sichtbare Eiskarte heben den Bon, ohne die Küche zu belasten. Ein gut kalkulierter Spritz bringt mehr Deckungsbeitrag als ein zweiter Hauptgang.

Im Winter verkauft die Küche, im Sommer verkauft die Theke. Wer das dreht, verliert Marge.

3. Neue Gästegruppen ansprechen

Wenn Stammgäste fehlen, müssen andere kommen. Drei Gruppen sind im Sommer erreichbar:

  • Touristen und Tagesgäste über das Google-Unternehmensprofil und aktuelle Fotos
  • Familien und Ferienkinder über ein einfaches Mittagsangebot
  • Feierabend-Publikum über gezielte Meta-Ads im Umkreis von wenigen Kilometern

Gerade lokale Anzeigen sind im Sommer günstiger, weil viele Mitbewerber die Werbung zurückfahren — genau falsch.

4. Anlässe schaffen statt auf Laufkundschaft warten

Ein leerer Dienstagabend füllt sich nicht von selbst. Public-Viewing, ein Grill-Abend, Live-Musik auf der Terrasse oder ein wöchentlicher Sommer-Special geben Gästen einen konkreten Grund, gerade heute zu kommen. Ein wiederkehrender Termin ist besser als eine einmalige Aktion, weil er sich herumspricht.

5. Ferienpersonal und Kosten mitdenken

Sommer heisst schwankende Nachfrage und Urlaubsvertretung. Planen Sie den Dienstplan nach erwarteter Auslastung, nicht nach Gewohnheit. An schwachen Tagen kürzere Schichten, an Terrassen-Wochenenden volle Besetzung. So bleibt die Personalquote stabil, während der Umsatz schwankt.

Die Reihenfolge entscheidet

Beginnen Sie mit Terrasse und Getränkekarte, weil sie sofort und ohne Werbebudget wirken. Danach kommen die neuen Gästegruppen über bezahlte Reichweite, und zuletzt die Anlässe, die Planung brauchen. Wer alle fünf Hebel gleichzeitig anfasst, verzettelt sich. Wer sie sauber nacheinander umsetzt, sieht nach jedem Schritt ein Ergebnis auf dem Tagesabschluss.

Digitale Sichtbarkeit für Touristen schärfen

Wer im Sommer neue Gäste will, muss dort auffindbar sein, wo Ortsfremde suchen. Ein aktuelles Google-Unternehmensprofil mit Sommeröffnungszeiten, frischen Terrassenfotos und einer sichtbaren Speisekarte entscheidet, ob ein Tourist Ihr Lokal oder das nebenan wählt. Bewertungen aus den letzten Wochen wirken dabei stärker als alte Einträge, weil sie Aktualität signalisieren. Bitten Sie zufriedene Gäste im Sommer aktiv um eine kurze Rückmeldung, wenn die Stimmung ohnehin gut ist.

Kosten an die Nebensaison anpassen

Ein schwacher Monat verzeiht keine Winterkostenstruktur. Prüfen Sie Wareneinsatz, Personaldecke und Öffnungszeiten kritisch: Ein Ruhetag mehr in der tiefsten Ferienwoche kann profitabler sein als ein halbleerer Betriebstag mit voller Besetzung. Frische Ware in kleineren Mengen bestellen senkt den Verderb, eine verschlankte Sommerkarte reduziert die Lagerhaltung. So bleibt am Ende des schwachen Monats mehr übrig, auch wenn der Umsatz niedriger ausfällt.

Das Sommerloch ist kein Naturgesetz. Es ist eine Lücke im Kalender, die man mit einem System schliesst.

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Häufige Fragen

Ab wann sollte ich das Sommergeschäft planen?
Idealerweise im Frühjahr. Terrassen-Genehmigung, Sommerkarte und Werbekampagnen brauchen Vorlauf. Wer erst im Juli reagiert, verliert die ersten Ferienwochen.
Lohnt sich Werbung, wenn die halbe Stadt im Urlaub ist?
Ja, gerade dann. Weniger Mitbewerber schalten Anzeigen, die Klickpreise sinken, und Touristen suchen aktiv nach Lokalen vor Ort.