Kalkulation

Mietausfallwagnis: Leerstand realistisch kalkulieren

Die meisten Renditerechnungen gehen von zwölf Mietmonaten pro Jahr aus — jedes Jahr, über die gesamte Haltedauer. Die Realität kennt Mieterwechsel, Renovierungswochen und im schlechtesten Fall Zahlungsausfälle. Wer das nicht einpreist, rechnet sich reich.

Autor Julien MarschallVeröffentlicht 2026-07-28Lesezeit 6 Min.

Was das Mietausfallwagnis eigentlich ist

Das Mietausfallwagnis ist ein kalkulatorischer Abschlag auf die Jahresmiete, der zwei verschiedene Risiken bündelt: Leerstand — die Wohnung steht zwischen zwei Mietverhältnissen oder während einer Renovierung leer — und Zahlungsausfall — der Mieter wohnt, zahlt aber nicht. In der professionellen Wertermittlung, etwa im Ertragswertverfahren, ist dieser Posten fest vorgesehen. In privaten Anlegerrechnungen fehlt er erstaunlich oft, obwohl er die Nettorendite spürbar verändert.

Realistische Ansätze statt Wunschdenken

Wie hoch der Abschlag sein sollte, hängt vom konkreten Objekt ab. Als Orientierung haben sich Bandbreiten etabliert:

  • Gefragte Wohnlagen (A- und gute B-Lagen): rund 2 % der Jahresnettokaltmiete — Mieterwechsel dauern hier oft nur Tage bis wenige Wochen
  • Durchschnittliche Lagen: 3 bis 4 % — realistisch sind ein bis zwei Leerstandsmonate pro Mieterwechsel plus gelegentliche Zahlungsverzögerungen
  • Strukturschwache Regionen und C-Lagen: 5 % und mehr — hier entscheidet die lokale Nachfrage, nicht der bundesweite Durchschnitt
  • Gewerbeflächen: deutlich höher, da Nachvermietungen Monate bis Jahre dauern können

Ein Beispiel: Eine Wohnung mit 850 Euro Nettokaltmiete bringt rechnerisch 10.200 Euro pro Jahr. Mit 3 % Mietausfallwagnis kalkulieren Sie mit 9.894 Euro — die Differenz von gut 300 Euro pro Jahr klingt klein, verschiebt aber bei knapp kalkulierten Finanzierungen den Cashflow von positiv auf negativ. Genau solche Fälle sollen in der Rechnung sichtbar werden, bevor der Notartermin stattfindet.

Ein einziger Mieterwechsel mit zwei Monaten Leerstand und 3.000 Euro Renovierung kostet mehr als fünf Jahre kalkulatorisches Mietausfallwagnis. Der Abschlag ist kein Pessimismus — er ist der Durchschnitt über die Haltedauer.

Was das Risiko tatsächlich senkt

Das Mietausfallwagnis ist keine Naturkonstante — es lässt sich aktiv beeinflussen. Die wirksamsten Hebel: eine sorgfältige Mieterauswahl mit Bonitätsprüfung statt schneller Vermietung an den Erstbesten, marktgerechte statt maximaler Miete — überzogene Mieten produzieren Fluktuation, und jeder Wechsel kostet mehr als die Differenz einbringt —, gepflegter Objektzustand, der die Wiedervermietung beschleunigt, und eine professionelle Verwaltung, die Mieterwechsel früh erkennt und die Nachvermietung startet, bevor die Wohnung leer steht. Eine Mietausfallversicherung kann Einzelrisiken abfedern, ersetzt die Kalkulation aber nicht: Normaler Leerstand zwischen Mietverhältnissen ist meist nicht versicherbar.

Leerstand im Ausland: andere Mechanik

Bei Ferienimmobilien auf Bali oder in Nordzypern funktioniert die Rechnung anders: Dort gibt es keinen durchgehenden Mietvertrag, sondern Auslastungsquoten. Statt eines pauschalen Abschlags gehört hier eine konservative Belegungsannahme in die Kalkulation — deutlich unter den Hochglanzprospekt-Werten — plus Nebensaison-Monate, in denen wenig bis nichts vermietet wird. Wer ein Auslandsobjekt mit 90 % Jahresauslastung gerechnet bekommt, sollte dieselbe Rechnung mit 50 bis 60 % wiederholen und prüfen, ob das Investment dann noch trägt.

Fazit: Der Abschlag gehört in jede Rechnung

Das Mietausfallwagnis kostet in der Kalkulation ein paar Prozent Rendite — und schützt vor der teuersten Anlegerfalle: einem Investment, das nur im Idealszenario funktioniert. Solide Objekte überstehen den Abschlag problemlos. Wenn eine Renditerechnung nur ohne Leerstandsansatz aufgeht, ist nicht die Rechnung das Problem, sondern das Objekt oder der Preis.

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Häufige Fragen

Wie hoch sollte das Mietausfallwagnis angesetzt werden?
Als grobe Orientierung gelten 2 bis 4 % der Jahresnettokaltmiete in gefragten Lagen, in strukturschwachen Regionen oder bei Gewerbe deutlich mehr. Entscheidend sind Lage, Zustand und Mieterstruktur des konkreten Objekts.
Deckt eine Mietausfallversicherung das Risiko vollständig ab?
Nein. Policen greifen meist nur bei bestimmten Fällen wie zahlungsunfähigen Mietern, oft mit Wartezeiten und Ausschlüssen. Normalen Leerstand zwischen zwei Mietverhältnissen versichern sie in der Regel nicht.
Ist ein Objekt mit hohem Leerstandsrisiko automatisch ein schlechtes Investment?
Nicht zwingend — höheres Risiko wird über einen niedrigeren Kaufpreis und höhere laufende Rendite kompensiert. Problematisch ist nur, das Risiko einzupreisen zu vergessen.