Ein Playlist-Placement bringt Streams für zwei Wochen. Ein Blog-Feature bringt einen Artikel, der in einem Jahr noch gefunden wird, wenn jemand deinen Namen googelt. Genau darin liegt der Unterschied: Playlists mieten dir Reichweite, Presse baut dir Reputation. Beides zusammen trägt einen Release weiter als jeder Kanal allein.
Warum PR ein eigener Kanal ist
Presse wirkt an drei Stellen, die Streaming nicht abdeckt. Erstens Glaubwürdigkeit: Ein Dritter, der über deine Musik schreibt, wiegt mehr als jede Eigenwerbung. Zweitens Auffindbarkeit: Artikel und Interviews ranken bei Google und verlinken auf deine Kanäle — dauerhaft. Drittens Anschlussfähigkeit: Wer schon einmal irgendwo besprochen wurde, wird beim nächsten Pitch eher gelesen. PR verzinst sich über den Katalog, nicht über den einzelnen Track.
Die realistische Zielliste
Der häufigste Fehler ist die zu große Liste: 200 Kontakte, eine Massenmail, null Antworten. Besser sind 20 bis 30 recherchierte Ziele in drei Stufen:
- Nischen-Blogs und Genre-Podcasts: kleine Reichweite, hohe Antwortquote — hier beginnt jede PR-Historie.
- Lokal- und Webradios: Lokalbezug ist ein echter Aufhänger; viele Sender suchen aktiv nach Musik aus der Region.
- Größere Magazine und Newsletter: erst sinnvoll, wenn du erste Features als Referenz vorweisen kannst.
Prüfe vor jedem Pitch, ob das Medium dein Genre überhaupt bespricht. Ein passgenauer Pitch an ein kleines Blog schlägt zehn blinde Mails an große Redaktionen.
Der Pitch: kurz, persönlich, komplett
Redaktionen bekommen täglich Einsendungen und entscheiden in Sekunden. Dein Pitch braucht vier Bausteine: einen ersten Satz mit echtem Bezug zum Medium („euer Feature über X hat mich hergeführt"), zwei bis drei Sätze Story — nicht „neue Single draußen", sondern was den Track besonders macht —, einen privaten Streaming-Link ohne Anmeldehürde und den Link zum EPK mit Fotos, Bio und Fakten. Alles, was die Redaktion suchen muss, kostet dich die Antwort.
Blogs schreiben über Geschichten, nicht über Dateien. Wenn dein Pitch nur aus „neuer Track, hört mal rein" besteht, hast du der Redaktion die Arbeit gegeben, die eigentlich du machen solltest.
Timing: PR beginnt vor dem Release
Vier bis sechs Wochen Vorlauf sind der Standard. Redaktionen planen voraus und wollen Musik exklusiv vor der Veröffentlichung hören — manche Blogs machen nur Premieren. Baue die PR-Welle in deine Release-Timeline ein: Pitches raus, sobald Master und Artwork stehen; Nachfassen einmal, freundlich, nach etwa einer Woche; Veröffentlichungen der Features idealerweise rund um den Releasetag, wenn ohnehin die ersten 24 Stunden über das Momentum entscheiden.
Messbar machen statt hoffen
Auch PR braucht Zahlen. Führe eine einfache Tabelle: Medium, Kontakt, Datum, Status, Ergebnis. Nach drei Releases siehst du, welche Art Medium antwortet, welche Story-Winkel funktionieren und wo sich Nachfassen lohnt. Jedes Feature wandert als Zitat und Logo ins EPK — so wird aus jedem einzelnen Erfolg ein Argument für den nächsten Pitch. PR ist ein Katalog-Spiel: Der dritte Release pitcht sich leichter als der erste, wenn du die Historie sichtbar machst.
Und wie bei allem im Musik-Business gilt: Konstanz schlägt den einen großen Treffer. Ein kleines Feature pro Release, über ein Jahr gestapelt, baut mehr Substanz auf als die Jagd auf das eine große Magazin.