Die Logik hinter FAT und SAT ist einfach: Ein Mangel, der beim Hersteller auffällt, wird dort mit vollem Werkstattzugriff, Ersatzteillager und Fachpersonal behoben — schnell und auf Kosten des Lieferanten. Derselbe Mangel, entdeckt nach Transport, Zollabwicklung und Aufstellung, kostet Wochen: Techniker müssen anreisen, Teile nachgeschickt werden, und die Beweisfrage „Transportschaden oder Fertigungsfehler?" beginnt. Deshalb gilt: Je gründlicher der FAT, desto unspektakulärer der SAT — und genau so soll es sein.
Die Basis: Abnahmekriterien stehen im Lastenheft, nicht im Kopf
Ein Abnahmetest prüft gegen Anforderungen — und die müssen vorher schriftlich existieren. Wer erst am Testtag überlegt, was die Maschine können soll, nimmt ab, was der Hersteller vorführt. Grundlage ist die Spezifikation aus dem Lastenheft bzw. der URS: Formate, Ausbringung, Presskraftbereich, Steuerungsfunktionen, Dokumentationsumfang, Sprachen von Anzeige und Handbuch. Aus jeder Anforderung wird ein Prüfpunkt mit messbarem Akzeptanzkriterium — „Ausbringung 60.000 Tabletten pro Stunde mit Placebomischung X bei Gewichtsstreuung innerhalb Toleranz Y" statt „Maschine läuft gut". Diese Prüfliste gehört als Anhang in den Kaufvertrag, samt Regelung, was bei Nichtbestehen passiert: Nachbesserungsfrist, Wiederholungstest, Rücktrittsrecht.
Der FAT beim Hersteller: die letzte günstige Gelegenheit
Der FAT findet vor dem Versand statt, idealerweise mit eigener Placebo- oder Testmischung, die dem späteren Produktverhalten nahekommt. Auf die Checkliste gehören:
- Identität und Vollständigkeit: Typenschild, Seriennummern, bestellte Optionen, Werkzeugsätze, Ersatzteilpaket und Dokumentation gegen die Bestellung abgleichen — Abweichungen sind hier noch eine E-Mail, später ein Reklamationsvorgang.
- Funktionstest unter Last: Mehrstündiger Lauf bei Nenngeschwindigkeit, nicht nur die Fünf-Minuten-Vorführung. Gewichts-, Härte- und Dickenkonstanz protokollieren, Kraftüberwachung und Ausschleusung gezielt provozieren.
- Steuerung und Datenzugriff: Rezeptverwaltung, Benutzerebenen, Audit-Trail-Funktion und Datenexport praktisch durchspielen — Papierversprechen und gelebte Software unterscheiden sich oft.
- Dokumentationspaket: Materialzertifikate produktberührter Teile, Kalibrierscheine, Schaltpläne, Konformitätserklärung — alles sichten, bevor die Kiste zugenagelt wird.
Mängel werden im FAT-Protokoll klassifiziert: kritisch (kein Versand vor Behebung), größer (Behebung vor SAT, nachweispflichtig), geringfügig (Behebung bis Abnahme). Ohne diese Klassifizierung wird jede Abweichung zur Verhandlungssache.
Der SAT vor Ort: gleiche Prüfungen, echte Bedingungen
Der SAT wiederholt die kritischen FAT-Prüfpunkte nach Transport und Aufstellung — jetzt mit der eigenen Stromversorgung, Absaugung, Druckluft und Raumklimatisierung und idealerweise mit dem Personal, das die Maschine später fährt. Genau hier zeigen sich die Probleme, die im Werk unsichtbar waren: Vibrationen auf dem eigenen Fundament, Schwankungen der Hausversorgung, Schnittstellen zu Entstauber und Metalldetektor. Der SAT ist bestanden, wenn die vereinbarten Kriterien im realen Umfeld erreicht sind — erst dann sollten Restzahlung und Gefahrenübergang ausgelöst werden, sofern der Vertrag das so vorsieht.
Der teuerste Fehler bei Abnahmen ist die volle Zahlung vor dem SAT. Wer 100 Prozent überweist, bevor die Maschine im eigenen Haus ihre Kriterien erfüllt hat, verhandelt jede Nachbesserung aus der Bittsteller-Position. Üblich und fair ist ein Zahlungsplan, der eine spürbare Rate an die erfolgreiche Abnahme vor Ort bindet.
Schnittstelle zur Qualifizierung: doppelte Arbeit vermeiden
FAT und SAT sind kommerzielle Abnahmen zwischen Käufer und Lieferant — die GMP-Qualifizierung nach IQ, OQ und PQ ist ein eigener Vorgang im Qualitätssystem des Betreibers. Trotzdem lässt sich sauber verzahnen: Wer FAT- und SAT-Protokolle von Anfang an mit eindeutigen Prüfpunkt-Nummern, Rohdaten und Unterschriften führt, kann viele Ergebnisse per Risikobetrachtung in die Qualifizierung übernehmen, statt identische Tests dreimal zu fahren. Das setzt voraus, dass die Qualitätssicherung die Prüfpläne vor dem FAT sieht — nicht danach.
Praxis: Wer fährt zum FAT?
Die richtige Besetzung schlägt jede Checkliste. Zum FAT gehören mindestens eine Person, die die Maschine später bedient oder wartet, und eine, die die Anforderungen geschrieben hat. Bei Importmaschinen mit Sprachbarriere lohnt ein unabhängiger Dolmetscher oder ein Berater, der die Maschinengattung kennt. Und wenn eine Reise nicht darstellbar ist: einen Remote-FAT mit Live-Video, vorab übermitteltem Prüfplan und unterschriebenem Protokoll vereinbaren — das ist schwächer als Präsenz, aber unvergleichlich stärker als gar keine Abnahme vor Versand.